Basierend auf Dave Pelz’s Short Game Bible
Wenn du wirklich verstehen willst, wie gut , oder wie schwach , dein Golfspiel wirklich ist, reicht ein Blick auf dein USGA-Handicap nicht aus. Diese Zahl sagt dir lediglich, wie du insgesamt spielst. Sie verrät dir nicht, wo du stark bist und wo du Schläge liegen lässt. Dafür brauchst du eine viel genauere Diagnose , und genau hier kommt das Short-Game Handicap ins Spiel.
Fünf Spiele in einem
Golf ist nicht ein Spiel, sondern fünf: das Power Game, das Short Game, das Putting Game, das Management Game und das Mental Game. Jedes dieser fünf Teilspiele hat einen eigenen Handicap-Wert , und dein tatsächliches Scoringvermögen wird nicht durch deine Stärken in diesen Bereichen bestimmt, sondern durch deine Schwächen.
Jack Nicklaus war in seinen besten Jahren nicht der weiteste Schläger, nicht der beste Wedge-Spieler und auch nicht der beste Putter. Aber er war in allem gut , und überragend im Management Game. Lee Trevino war der beste Ball-Striker seiner Zeit. Ben Crenshaw kompensierte ein durchschnittliches Power Game mit einem legendären Putting Game. Und Tom Kite? Der wurde zum besten Short-Game Spieler der Welt , und zum vierterfolgreichsten Geldgewinner der PGA Tour aller Zeiten.
80 Prozent deines Handicaps stecken im Scoring Game
Das ist keine Schätzung, das sind Daten aus Tausenden von gemessenen Runden. Meine Studien zeigen, dass rund 80 Prozent des durchschnittlichen Golfer-Handicaps durch das sogenannte Scoring Game bestimmt werden , also durch Schläge von 100 Yards und kürzer bis zur Greenkante, kombiniert mit dem Putting.
Was bedeutet das konkret? Ein 10- bis 12-Handicapper, der ein Scratch-Niveau im Scoring Game entwickelt, würde sein Gesamthandicap auf 2 bis 4 reduzieren. Beim 20-Handicapper wäre der Sprung auf 4 bis 6 möglich , allein durch ein besseres Short Game, ohne einen einzigen Meter weiter zu schlagen.
John Henry Taylor, fünffacher British-Open-Champion, fasste es so zusammen: „Wer pitchen kann, braucht nicht zu putten.“ Eine leichte Übertreibung vielleicht , aber die Botschaft stimmt. Ein Ball, der nah ans Loch kommt, macht jeden Putt leichter. Und nichts beeinflusst die Anzahl deiner Putts pro Runde mehr als deine Fähigkeit, den Ball aus Chips, Pitches und Bunkern in die kritische Zone von 2,4 Metern (acht Fuß) rund um das Loch zu bringen.
Dein Short-Game Handicap messen
Um zu wissen, wo du stehst und wie du dich verbesserst, brauchst du ein konkretes Messsystem. Das Short-Game Handicap basiert auf acht Tests, die du auf einer Übungsanlage mit Grün und realistischen Short-Game-Bedingungen durchführst. Pro Test schlägst du 10 Bälle und bewertest die Ergebnisse nach diesem System:
- Außerhalb 1,8 m (6 Fuß): 0 Punkte
- Zwischen 0,9 m und 1,8 m (3, 6 Fuß): 1 Punkt
- Innerhalb 0,9 m (3 Fuß): 2 Punkte
- Im Loch: 4 Punkte
Die acht Tests decken die wichtigsten Short-Game-Situationen ab: Chips, Pitches und Bunker aus verschiedenen Entfernungen und Lagen. Die Gesamtpunktzahl aus allen Tests ergibt über eine Referenztabelle dein Short-Game Handicap.
Meine Empfehlung: Führe diese Tests einmal im Monat durch, am besten in weniger als 45 Minuten. Halte deine Ergebnisse schriftlich fest. Wenn dein Short-Game Handicap sinkt, machst du echte Fortschritte , auf der Anlage und auf dem Platz.
Ein wichtiger Hinweis: Sei ehrlich mit dir selbst. Es ist verlockend, beim Zählen ein Auge zuzudrücken. Aber nur wenn du realistisch misst, profitierst du wirklich von den Ergebnissen.
Das Spiel „Missemall“ , Der härteste Selbsttest
Willst du wissen, wie gut dein Short Game wirklich ist? Dann spiele gelegentlich eine Runde „Missemall“ , kurz für „miss every green in the regulation number of strokes“, also: Verfehlst du absichtlich jedes Green.
Die Regeln sind einfach:
- Du darfst das Green weder mit dem Abschlag auf Par-3-Löchern noch mit dem zweiten Schlag auf Par-4- und Par-5-Löchern treffen. Landet der Ball trotzdem auf dem Green, muss er vorher ins Rough, in den Sand oder auf das Fairway gespielt werden.
- Du musst das Green in einer vorgeschriebenen Verteilung verfehlen: sechs Schläge aus dem Bunker, sechs aus dem Rough, sechs vom Fairway.
Das Ergebnis zeigt dir schonungslos, wie stark dein Short Game wirklich ist. PGA-Tour-Profis spielen Missemall in der Regel zwischen 71 und 73 Schlägen , und haben selten Probleme, unter 75 zu bleiben. Für die meisten Amateure ist 80 bereits eine Herausforderung. Wer es schafft, nach jedem verfehlten Green regelmäßig Par zu retten, hat ein Short Game, auf das er wirklich stolz sein kann.
Die entscheidende Erkenntnis: Schlechte Schläge schaden mehr als gute Schläge helfen
Hier kommt eine der wichtigsten Lektionen des gesamten Golfspiels , und die meisten Golfer verstehen sie nie wirklich.
Vergleichen wir Tom Weiskopf und Tom Kite. Weiskopf war in seiner Zeit einer der besten Ball-Striker der Tour. Ich habe seine Daten analysiert und festgestellt: In einem Monat schlug er mehr „Great Shots“ (unter 2 % Fehler) als Kite in einem ganzen Jahr. Trotzdem: Kite verdiente mehr, gewann mehr, spielte besser.
Warum? Weil Weiskopf auch mehr schlechte Schläge hatte , und die trafen ihn besonders hart, weil sie meistens mit dem Wedge kamen. Ein verfehlter Wedge bedeutet fast immer keinen Birdie, oft auch kein Up-and-Down. Kites schlechte Schläge dagegen kamen überwiegend mit langen Eisen , und von dort rettete er sich 85 % der Zeit per Up-and-Down. Sein kurzes Spiel fing auf, was sein langes Spiel verbockte.
Die Konsequenz für dein Spiel: Deine Scores werden weniger durch gute Schläge im Power Game beeinflusst als durch gute Schläge im Short Game. Und du wirst mehr durch schlechte Schläge im Short Game bestraft als durch schlechte Schläge im Power Game. Je weiter ein Fehler vom Loch entfernt passiert, desto größer ist deine Chance auf Erholung.
Spiele deshalb lieber outstanding im Short Game und solide im Power Game , nicht umgekehrt.
Strategie: Möglichkeit vs. Wahrscheinlichkeit
Die meisten Golfer denken beim Wort „Strategie“ an die große Entscheidung: Greife ich das Par-5-Green in zwei an oder nicht? Aber die wichtigste Strategie im Golf findet auf den letzten 90 Metern statt.
Der entscheidende Unterschied: Im Power Game ist es manchmal schlicht nicht möglich, einen Schlag auszuführen (z. B. 270 Meter über Wasser). Im Short Game können es alle. Jeder Golfer kann physisch einen 30-Meter-Pitch spielen. Deshalb versuchen es fast alle , auch wenn die Wahrscheinlichkeit, ihn gut zu treffen, gering ist.
Das ist der Fehler. Short-Game-Strategie sollte nicht auf der Möglichkeit eines Schlages basieren, sondern auf der Wahrscheinlichkeit, ihn erfolgreich auszuführen.
Frag dich also vor jedem kurzen Schlag nicht „Kann ich das?“, sondern „Werde ich das wahrscheinlich gut treffen?“ Wähle den Schlag, mit dem du statistisch die besten Ergebnisse erzielst , nicht den, den du vom Fernsehen kennst oder den ein Profi in dieser Situation wählen würde.
Ein starkes Short Game gibt dir außerdem Freiheit im Rest deines Spiels. Wenn du weißt, dass du einen Up-and-Down in vielen Situationen erfolgreich spielen kannst, kannst du mit dem Eisen auch mal das sichere Ziel anpeilen, vor Hindernissen legen und trotzdem optimistisch in die Runde gehen.
Was du jetzt tun kannst
- Mach die Tests. Führe die acht Short-Game-Tests durch, bevor du mit dem Training beginnst. Sie zeigen dir, wo du wirklich stehst.
- Messe regelmäßig. Einmal im Monat reicht. Notiere deine Punktzahlen und verfolge deinen Fortschritt.
- Übe deine Schwächen. Golfer neigen dazu, das zu üben, was sie sowieso schon gut können. Das ist menschlich, aber kontraproduktiv. Die schwachen Bereiche deines Short Games kosten dich die meisten Schläge.
- Verfolge dein Up-and-Down auf dem Platz. Wenn du keine Anlage für die Tests hast , halte wenigstens fest, wie oft du nach einem verfehlten Green mit zwei Schlägen einlochst. Diese Zahl ist das ehrlichste Feedback, das Golf dir geben kann.
Dein Short-Game Handicap ist der Schlüssel zu niedrigeren Scores. Nicht mehr Länge, nicht ein neuer Driver , sondern Chips, Pitches und Bunkerbefreiungen, die konsequent nah ans Loch kommen. Fang noch heute an, es zu messen.
Dave Pelz ist einer der renommiertesten Golf-Forscher und -Lehrer der Welt. Er arbeitete jahrzehntelang mit den besten PGA-Tour-Spielern zusammen und gründete die Pelz Golf Schools. Sein Standardwerk „Dave Pelz’s Short Game Bible“ ist Pflichtlektüre für jeden, der sein Scoring Game ernsthaft verbessern möchte.
















